Kind mit Behinderung spielt im Therapiestuhl von Schuchmann

Sitzen ist dabei sein!

Als renommierter Hersteller von Hilfsmitteln für Kinder und Jugendliche ist eine unserer Kernkompetenzen das Thema Sitzen. Wir haben uns auf Therapiestühle spezialisiert und bieten euch hiermit einen Auszug aus unserem neuen Ratgeber „Sitzen ist dabei sein!“:

Sehr einfache Maßnahmen bieten Kindern oft neue Entwicklungsmöglichkeiten. Sitzen ist dabei sein! Hier könnt ihr den gesamten Ratgeber dazu herunterladen.

Wenn ein Kind mit einem Jahr noch nicht sitzen kann, ist es wichtig, ihm einen Therapiestuhl zu geben. So kann es mit der Familie am Tisch sitzen, dabei sein und mit anderen Kindern spielen. Deshalb kommt der erste Therapiestuhl häufig um den ersten Geburtstag ins Haus.

Wir sitzen – weil wir uns am Tisch treffen: zum Reden, zum Essen, zum Arbeiten. Es ist sehr wichtig, diesen Schritt zu gehen. Ohne Therapiestuhl ist die Energie für die Aufrichtung und das Aufrechterhalten des Sitzens oft schnell aufgebraucht, so bleibt zu wenig Energie für die weiteren Entwicklungsschritte übrig. Wenn wir dem Kind ein angepasstes Sitzen ermöglichen, fördern wir seine Entwicklung. Ein Kind, das nicht allein sitzen kann, bekommt einen Stuhl, der es stützt, hält und so Freiheit zum Spielen, zum Lernen, zum Beobachten und zum Hantieren bietet. Bei der Auswahl und Konfiguration des Therapiestuhls achten wir darauf, dass das Kind genau die Unterstützung bekommt, die es benötigt.

Nicht zu viel und nicht zu wenig.

Ein Therapiestuhl mit individuellen Einstellmöglichkeiten und zusätzlichen funktionalen Elementen ermöglicht eine präzise Anpassung an die Körpermaße des Kindes. Dies fördert eine korrekte Haltung, indem das Becken aufgerichtet und stabilisiert wird. Zudem kann eine seitliche Unterstützung der Rippen erfolgen, um zu verhindern, dass das Kind andauernd in eine seitliche Neigung gerät. Dies ist entscheidend für die Funktion des Stuhls und sorgt für ein komfortables Sitzgefühl.

Und weil Kinder wachsen, wachsen Therapiestühle mit. Die Länge des Sitzes , die Sitztiefe, die Sitzbreite und die Höhe des Rückens folgen dem Wachstum des Kindes und können leicht verstellt werden. Der Stuhl unterstützt eine aufrechte und stabile Haltung, indem die Beckenführung das Becken ausrichtet und hält, während Rumpf- und Thoraxpelotten den Oberkörper gerade halten. Positionierungshilfen und Gurte verhindern zudem ein Verrutschen des Körpers. Dies erleichtert die Kopfkontrolle und die Kopfstütze sorgt für eine gezielte Kopfhaltung und entlastet vom Gewicht. Bei der Auswahl der Kopfstütze muss jedoch ein Balanceakt zwischen Halt und Bewegungsfreiheit gefunden werden. So wird das aufmerksame Zuhören oder das miteinander Sprechen einfacher.

Auf die richtige Positionierung kommt es an

Das Fußbrett ist entscheidend für die Stabilität während des Sitzens, die korrekte Ausrichtung der Oberschenkelknochen (z.B. bei Hüftverformungen) und erleichtert zudem das Ein- und Aussteigen aus dem Stuhl. Eine gute Positionierung unterstützt die Atmung, fördert die Aufmerksamkeit, begünstigt die gesunde Entwicklung von Knochen und Gelenken und stärkt die Körperkontrolle und Koordination. Bei der Auswahl des Therapiestuhls wird auch berücksichtigt, wo und wofür er verwendet wird. Wird der Stuhl im Kindergarten, in der Schule oder zu Hause eingesetzt? Wer wird das Kind in den Stuhl setzen? Wird der Stuhl nur für kurze Zeiträume genutzt, wie z.B. zu den Mahlzeiten, oder wird er den gesamten Vormittag zum Einsatz kommen?

All diese Faktoren tragen dazu bei, den passenden Stuhl für die Bedürfnisse Ihres Kindes auszuwählen. Um alle diese Aspekte zu erfassen, orientieren wir uns am bio-psychosozialen Modell, das das Leben des Kindes und seiner Familie als Ganzes betrachtet und auch der „internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF) zugrunde liegt. Dieses Modell dient als Basis für die Auswahl von Hilfsmitteln. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine speziell angepasste Version dieses Modells.

Eine Übersicht des ICF-Modells und weitere Informationen findet ihr in unserem Ratgeber „Sitzen ist dabei sein!“

Evidenz* zur Verbesserung der funktionellen Sitzposition bei Kindern mit zerebraler Lähmung.

23 Kinder mit Cerebralparese wurden in sechs verschiedenen Positionen fotografiert und mit der Videokamera gefilmt — einschließlich einer hypothetischen funktionellen Position. Die Videos und Fotografien wurden analysiert. Man fand heraus, dass die pathologischen Bewegungen abnahmen und die Haltungskontrolle und die Arm—und Handfunktion am besten waren, wenn das Kind in einem nach vorn geneigten Sitz saß, mit einer festen Rückenstütze zur Stützung des Beckens, die Arme gegen einen Tisch gestützt und mit rückwärtiger Bewegungsfreiheit der Füße.

Orig. in englischer Sprache von Ulla Myhr und Lennart von Wendt. – First published: March 1991

*Evidenz bezieht sich auf die Informationen und Daten, die durch systematische Forschung und Studien gesammelt werden, um Hypothesen oder Theorien zu unterstützen oder zu widerlegen.