Kleine Bewegung, große Wirkung: Was dynamisches Stehtraining bei Kindern bewirken kann
Welchen Effekt hat dynamisches Stehtraining auf Gehfähigkeit und Balance bei Kindern mit neurologischen Entwicklungsstörungen?
Genau dieser Frage widmete sich Nadine Gallenbach, unsere Außendienstmitarbeiterin und Fachberaterin für Neuro- und Rehabilitationszentren sowie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, im Rahmen ihrer Masterthesis im Studiengang Neuroorthopädie – Disability Management an der Universität für Weiterbildung Krems. Im Rahmen der vorliegenden Pilotstudie wurde der Prototyp des dynamischen Stehtrainers trixi. an einer Gruppe von zehn Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren erprobt.
trixi. wurde von zehn Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren erprobt, die dem GMFCS-Level II bis IV zugeordnet waren. Ziel war es herauszufinden, ob dynamisches Stehtraining positive Effekte auf Gehfähigkeit, Balance und Motivation haben kann. Die Ergebnisse zeigen: Schon nach wenigen Trainingstagen konnten bei den teilnehmenden Kindern deutliche Fortschritte beobachtet werden.
Fünf Tage Training mit sichtbaren Veränderungen
Im Rahmen der durchgeführten Studie wurden positive Effekte auf die Gehfähigkeit und das Gleichgewicht der Probanden festgestellt.
Für die Studie trainierten die Kinder an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 30 Minuten mit unserem dynamischen Stehtrainer. Eine Kontrollgruppe mit ebenfalls zehn Kindern erhielt im gleichen Zeitraum ihre Standardtherapie, darunter Physiotherapie und Ergotherapie.
Um Veränderungen messbar zu machen, wurden verschiedene Parameter erhoben: Ausgewählte Items der Pediatric Balance Scale (PBS, Items 5, 7 und 9), der 10-Meter-Walking-Test (10MWT) sowie eine visuelle Analogskala (VAS) zur Motivation der Kinder. Besonders auffällig waren die positiven Entwicklungen beim freien Sitzen, beim Gleichgewicht und bei der Gehgeschwindigkeit.
Fallbeispiel M.: Mehr Stabilität, mehr Selbstständigkeit
Zu Beginn der Studienwoche konnte M., 3 Jahre alt, 30 Sekunden lang nur unter Aufsicht sitzen und stützte sich dabei deutlich mit den Armen ab. Nach fünf Trainingseinheiten mit trixi., saß sie die gleiche Zeitspanne in einer sicheren und stabilen Position. Ihr Score beim freien Sitzen verbesserte sich damit von 3 auf den Maximalwert 4.
Auch beim Stehen zeigte sich ein klarer Fortschritt. Am ersten Studientag benötigte M. noch Unterstützung, um die Position zu halten, und konnte diese nicht 15 Sekunden lang aufrechterhalten. Am Ende der Woche gelang es ihr, 30 Sekunden selbstständig mit geschlossenen Füßen zu stehen.
Noch deutlicher wurde die Entwicklung beim Gehen: Für den 10-Meter-Walking-Test mit ihrem Posterior-Walker benötigte M. am Montag 42,89 Sekunden. Am Freitag absolvierte sie dieselbe Strecke in 22,8 Sekunden – eine Verbesserung um rund 20 Sekunden.
Fallbeispiel A.: Deutlich schneller auf zehn Metern
Auch bei der vierjährigen A. zeigte sich eine beeindruckende Entwicklung. Am Montag benötigte sie für den 10-Meter-Walking-Test noch 45,54 Sekunden. Nach fünf Tagen Training mit trixi. schaffte sie die Distanz am Freitag in 16,89 Sekunden. Damit konnte sie ihre Gehzeit innerhalb weniger Tage erheblich verkürzen. Den Walking-Test absolvierte A. an der Hand ihrer Therapeutin, erprobte im Anschluss aber den malte. Posterior-Walker, mit dem sie inzwischen bereits versorgt wurde. Ein weiterer Schritt in Richtung Teilhabe und Selbstständigkeit für das Mädchen.
Solche Fallbeispiele machen deutlich, was Zahlen allein oft nur begrenzt vermitteln können: Für die Kinder bedeuten diese Fortschritte mehr Stabilität, mehr Bewegungserfahrung und ein Stück mehr Selbstständigkeit im Alltag.
Motivation als wichtiger Trainingseffekt
Neben den messbaren Verbesserungen bei Balance und Gehfähigkeit wurde auch die Motivation der Kinder betrachtet. In beiden Gruppen nahm die Motivation im Verlauf der Woche zu. Bei den Kindern, die mit trixi. trainierten, fiel diese Zunahme tendenziell höher aus.
Gerade bei Kindern ist Motivation ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Training. Wenn Therapie nicht nur fördert, sondern auch Freude an Bewegung ermöglicht, kann sie im Alltag leichter und regelmäßiger umgesetzt werden.
Therapeut*innen bewerten trixi. sehr positiv
Auch aus therapeutischer Sicht überzeugte der dynamische Stehtrainer. Am letzten Studientag wurde die Gebrauchstauglichkeit des Prototyps mit der System Usability Scale bewertet. trixi. erzielte dabei den sehr hohen Score von 88,6. Die Therapeut*innen bewerteten vor allem die Umsetzbarkeit des Stehtrainings im Alltag und die Einfachheit der Einstellung des Stehtrainers positiv.
Dynamisches Stehtraining mit Potenzial
Die Pilotstudie liefert wertvolle Hinweise darauf, dass dynamisches Stehtraining mit trixi. Kinder mit neurologischen Entwicklungsstörungen gezielt unterstützen kann. Besonders die Fallbeispiele von M. und A. zeigen, wie individuell und zugleich sichtbar solche Fortschritte sein können: stabiler sitzen, sicherer stehen, schneller gehen.
Für uns ist das ein wichtiges Signal. Denn Hilfsmittel sollen nicht nur versorgen. Sie sollen Entwicklung ermöglichen, Potenziale sichtbar machen und Kinder auf ihrem Weg zu mehr Aktivität und Teilhabe begleiten.








